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Der BDV im Gespräch mit Alexander Radwan

Alexander Radwan

 

Brüssel, München, Berlin – der berufliche Lebensweg des CSU-Politikers Alexander Radwan ist außergewöhnlich in der politischen Landschaft. Der 51jährige Oberbayer gehörte zuerst dem Europäischen Parlament und dann dem Bayerischen Landtag an, bevor er 2013 in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. Auch in der Hauptstadt hat er schnell Karriere gemacht. Der Jurist ist Berichterstatter für Finanzmarktgesetze in der Unionsfraktion. Grund genug für den BDV, mit Herrn Radwan ein Interview über politische Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit und mögliche neue Initiativen in der Zukunft zu führen:

 

BDV: Herr Radwan, der Finanzmarkt wurde in den vergangenen Jahren durch verschiedene neue Gesetze streng reguliert. Kann die Branche nun mit einer Ruhe- und Überprüfungsphase der eingeleiteten Maßnahmen rechnen?

Radwan: Ausruhen darf man sich auf Regulierungserfolgen nicht – man darf es aber auch nicht übertreiben. Der frühere EU-Kommissar Michel Barnier hat eine notwendige Regulierungsflut angestoßen, der jetzige Kommissar Jonathan Hill arbeitet eher am Großprojekt der Kapitalmarktunion, als einen Regulierungsvorschlag nach dem nächsten zu produzieren.

BDV: Herr Radwan, die Europäische Union hat zwei große Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht: Die Vermittlung von Finanzprodukten (Mifid 2) und den Vertrieb von Versicherungen (IDD2). Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen?

Radwan: Im Großen und Ganzen, ja. Zielsetzung war es hier, Finanzanlagen- und Versicherungsvertrieb gleich zu behandeln. Hier sind jetzt viele Anforderungen aneinander angepasst, insbesondere in Bezug auf die Wohlverhaltensregeln, was ich unterstütze. Man hatte sich zum Ziel gesetzt, IDD II und MiFID II in Bezug auf Beratungsqualität und Offenlegung von Provisionen zu vereinheitlichen. Der wichtigste Punkt war hier auch das Nebeneinander von Honorar- und Provisionsberatung, das haben wir erreicht.

BDV: Das politische Brüssel lässt in seinen Vorgaben zu Mifid und IDD ausdrücklich Platz für Provisions- als auch Honorarberatung. Ist das der auch von Ihnen gewünschte liberale Wettbewerb der Systeme?

Radwan: Absolut. Der Verbraucher muss wählen können. Es gibt keinen Grund, von staatlicher Seite nur das eine oder das andere vorzuschreiben. An diese Art von Bevormundung habe ich noch nie geglaubt.

BDV: Europäische Aufsichtsbehörden wie Eiopa und Esma neigen dazu, politische Vorgaben nicht unbedingt 1:1 umzusetzen. Konkret: Droht ein Provisionsverbot durch die Hintertür, und wie können Sie das verhindern?

Radwan: Das ist ein altbekanntes Problem. Level II, also EBA, ESMA und EIOPA regulieren nachgeordnet zum Gesetzgeber auf Brüsseler Ebene, und das nicht immer im Sinne des Erfinders. Der Fehler liegt hier im System. Schon zu meiner Brüsseler Zeit habe ich mich für stärkere Kontroll- und Rückholrechte für das Europäische Parlament stark gemacht. Im Zweifel müssen die von den Level II-Behörden erarbeiteten Vorschriften dann vom Parlament zurückgewiesen werden. Ich habe volles Vertrauen in meine früheren Kollegen aus der EVP-Fraktion im Wirtschafts- und Währungsausschuss und bin zuversichtlich, dass hier rechtzeitig eingehakt würde!

BDV: Niedrigzinsphase, private Altersvorsorge und demografischer Wandel – die Herausforderungen für den Vermögensberater sind immens. Wo können Sie als Bundestagsabgeordneter Weichen stellen?

Radwan: Wir müssen das Zusammenspiel von Regulierung und aktuellen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen im Blick behalten und nahezu täglich neu prüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Die Niedrigzinsphase allein fordert die Finanzbranche permanent heraus. Hier muss evaluiert werden, ob Entlastungen geschaffen werden können oder kleine Operationen notwendig sind, um die gesetzten Ziele noch ansatzweise zu erreichen. Die Finanzpolitiker der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag beschäftigen sich sehr intensiv mit diesem Zusammenspiel.

BDV: In großen Bundesländern – so auch in Bayern – ziehen sich Banken und Sparkassen immer mehr aus der Fläche zurück. Gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf – liegt dort die Chance des selbstständigen Vermögensberaters?

Radwan: Hier liegen sicher Chancen! Auch wenn Sparkassen und Genossenschaftsbanken schon sehr stark in der Fläche vertreten sind, macht ihnen die Niedrigzinsphase auch zu schaffen. Selbstständige, verlässliche Vermögensberater können hier breiter aufgestellt sein. Meist ist es ja aber auch eine Frage des begründeten Vertrauens, mit wem ich rede und von wem ich mich beraten lasse – das sollte im Vordergrund stehen.

BDV: Welche Reform in der Finanzmarktgesetzgebung würden Sie gerne noch anpacken?

Radwan: Hier muss ich zwei nennen. Zum einen die Schattenbankenregulierung, zum anderen eine Reform der Europäischen Aufsichtsbehörden und damit eine Rückholoption für das Europäische Parlament in Bezug auf vorgeschlagene Level II-Maßnahmen. Beide Regulierungsvorhaben sehe ich allerdings mit Initiative und Ursprung in Brüssel. Dennoch kann ich nicht häufig genug darauf verweisen, wie wichtig beide Vorhaben wären – zum einen zum Eindämmen neuer Risiken, zum anderen, um den Willen des Gesetzgebers nachhaltig zu berücksichtigen. Die Europäische Aufsicht muss hier stärker beim Vollzug der Level II- und Level III-Maßnahmen durch den Bundestag kontrolliert werden. Das ist mir ein persönliches Anliegen, das ich gerade weiter verfolge.

BDV: Vielen Dank für das Interview
 

 
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