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Die Rente mit 63 ist ein Irrtum

 Er war Vizekanzler und SPD-Chef, Arbeitsminister und gilt als Vater der Rente mit 67: Franz Müntefering. Und auch mit 76 Jahren ist das Urgestein aus dem Sauerland noch aktiv. Morgens Gymnastik, um ein Dutzend Ehrenämter in diversen Organisationen kümmert sich der aktive Senior, und vor allem das Thema Rente lässt ihn nicht ruhen. Er hält Vorträge, gibt Interviews. Da setzt der knorrige Westfale weiter auf klare Kante und scheut es auch nicht, gegen die Linie seiner eigenen Partei zu wettern: „Die Rente mit 63 ist ein Irrtum“ gehört zu seinen Kernsätzen. Sie sei populär, aber unvernünftig.

Schon seit vielen Jahren plädiert Müntefering für mehr Flexibilität: „Wer will und kann, muss länger arbeiten können.“ Der Übergang in die Rente dürfe kein radikaler Bruch sein.

Münteferings Ansatz erfährt inzwischen viel Unterstützung aus anderen Parteien, der Wirtschaft und der Politik. Auch der Finanzexperte der CSU im Deutschen Bundestag, Alexander Radwan, gibt ihm recht: „Angesichts des in den kommenden Jahren voll durchschlagenden demografischen Wandels brauchen wir unbedingt mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Dogmatisch zu sagen, ab 63 Jahren geht es in Rente, wird nicht mehr funktionieren.“

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die deutschen Ruheständler beziehen so lange Rente wie nie zuvor. Die durchschnittliche Bezugsdauer ist bei Frauen auf knapp 22 Jahre gestiegen, bei Männern auf 17,5. Im Jahr 1980 erhielten Frauen im Durchschnitt noch 13,8 Jahre Rente, Männer 11 Jahre. Im Jahr 1960 waren es weniger als zehn. Grund ist die steigende Lebenserwartung. Und noch eine Zahl, an der niemand vorbeikommt: Bis 2029 wird die Durchschnittsrente auf 43 Prozent des Durchschnittslohn absinken (heute 48 Prozent).

Michael Theurer, Wirtschaftsexperte der FDP im Europäischen Parlament, warnt angesichts der Auswirkungen des demografischen Wandels vor „Geschenken in der gesetzlichen Rentenversicherung. Ein striktes Renteneintrittsalter zum Beispiel mit 63 Jahren geht doch eindeutig zu Lasten der kommenden Generation.“ Das FDP-Präsidiumsmitglied setzt auf „Stärkung der privaten Altersvorsorge und das Angebot von intelligenten Produkten im Markt. Die Riester-Rente war ja nur ein erster, aber wichtiger Schritt.“

Die junge und die mittlere Generation in Deutschland machen sich heute schon große Sorgen um ihren Ruhestand. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des GDV wurde deutlich, dass immer weniger Menschen daran glauben, ihre finanzielle Zukunft über einen längeren Zeitraum hinaus planen zu können. GDV-Präsident Alexander Erdland sieht für diese Verunsicherung auch eine Mit-Verantwortung in der Politik: „Der aktuelle Bieter-Wettbewerb zur Wunschhöhe des Rentenniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung ist wenig vertrauensbildend.“

Und doch setzen laut Aegon-Ruhestandsstudie immer noch 71 Prozent der Deutschen darauf, dass der Staat die Verantwortung für die Altersvorsorge übernimmt. Viele Befragte empfinden das Thema Altersvorsorge als so komplex, dass sie die Last des Rechnens gerne den Beamten überlassen. Diese Entwicklung ist gefährlich und führt dazu, dass immer weniger für den Ruhestand regelmäßig sparen. Knapp zwei Drittel der „Generation 50plus“ weiß nicht, wieviel Geld sie im Alter zur Verfügung haben. So nimmt die Armutsgefährdung zu.

Wissenslücken und Verunsicherung in der Bevölkerung können jedoch mit sachgerechten und individuell zugeschnittenen Informationen bekämpft und geschlossen werden. Vermögensberater analysieren die persönliche Lebenssituation und ziehen daraus die entsprechenden Schlüsse. Dies ist die tägliche Herausforderung unserer im Verband organisierten Vermögensberater.
Wenn „Klare-Kante-Politiker“ wie Müntefering in der Öffentlichkeit den Finger in die Wunde legen und die Aufmerksamkeit der Menschen auf dieses wichtige Thema erhöhen, dann kann dies bei der Bewältigung der zukunftsfesten Altersvorsorge nur hilfreich sein.

 
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