Kurzarbeitergeld


Corona-bedingte Verbesserungen/Erleichterungen

Befristet bis zum 31.12.2020 gelten folgende Verbesserungen/Erleichterungen zum Kurzarbeitergeld:

  • Ein Betrieb kann bereits Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten (sonst ein Drittel) im Betrieb von einem Arbeitsausfall betroffen sind.
  • Bisher galt, dass Betriebe mit Gleitzeitvereinbarungen Kurzarbeitergeld nur erhalten, wenn die maximal möglichen Negativsalden auf den Arbeitszeitkonten ausgeschöpft waren. Diese Bedingung entfällt derzeit vollständig.
  • Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können derzeit Kurzarbeitergeld beziehen.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) übernimmt der Staat zu 100 % (bisher musste der Arbeitgeber 80 % selbst tragen).
  • Die Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld wird von bisher 12 auf aktuell 24 Monate erhöht.
  • Nebeneinkünfte werden nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, sofern die Nebentätigkeit in systemrelevanten Bereichen (z.B. Landwirtschaft, Gesundheitswesen) ausgeübt wird.

Allgemeine Informationen zum Kurzarbeitergeld

  • Ziel
    Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen aufgrund von Auftragsrückgang / Rückgang des Arbeitsaufkommens.
  • Zuständigkeit/Beantragung
    Das Kurzarbeitergeld wird beantragt bei der örtlich zuständigen Agentur für Arbeit. Alternativ kann Kurzarbeitergeld auch online beantragt werden: https://www.arbeitsagentur.de/eservices-unternehmen
  • Voraussetzung
    Bedingung ist ein vorübergehender unvermeidbarer und erheblicher Arbeits- und Umsatzausfall aufgrund eines unabwendbaren Ereignisses.
  • Antragssteller
    Das Kurzarbeitergeld wird vom Unternehmen für diejenigen Mitarbeiter beantragt, die vorübergehend nicht beschäftigt werden können.
  • Abwicklung
    Der Arbeitgeber tritt in Vorleistung, indem das berechnete Kurzarbeitergeld zunächst an die Mitarbeiter auszahlt. Im Nachgang wird der verauslagte Betrag durch die Agentur für Arbeit erstattet.
  • Berechtigte Mitarbeiter
    > Kurzarbeitergeld kann nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte beantragt bzw. gewährt werden.
    > Gegenüber Auszubildenden kann keine Kurzarbeit angeordnet werden. Ihnen steht ein ungeschmälerter Entgeltfortzahlungsanspruch auch bei Arbeitsausfall zu.
    > Für geringfügig Beschäftigte kann kein Kurzarbeitergeld beantragt werden.
  • Zustimmungserfordernis
    > Jeder Mitarbeiter muss der Kurzarbeit zustimmen.
    > In Betrieben mit Betriebsrat kann dieser für alle Mitarbeiter zustimmen.
    > Verweigern Mitarbeiter oder der Betriebsrat die Zustimmung, müssen die Bezüge in voller Höhe weitergezahlt werden. Das Unternehmen hat dann die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen.
  • Reichweite
    > Kurzarbeitergeld kann auch für einen Teil der Belegschaft beantragt werden.
    > Die Kurzarbeit kann auch einen Teil der Arbeitszeit eines Mitarbeiters ausmachen (z.B. 50 %).
  • Höhe / Umfang
    > Die Höhe des Kurzarbeitergeldes beläuft sich auf 60 %, bei Mitarbeitern mit Kindern auf 67 % des bisherigen Nettogehaltes.
    > Ab dem vierten Monat sollen 70 oder 77 Prozent, ab dem siebten Monat 80 oder 87 des Lohnausfalls durch die Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Diese Regelung ist bis 31. Dezember 2020 befristet.
    > Die Höchstgrenze ist das sich aus der Beitragsbemessungsgrenze (6.900 € West und 6.450 € Ost) ergebende Nettogehalt.
    > Der Arbeitgeber kann die Differenz zwischen Kurzarbeit und Nettobezügen aufstocken, auch teilweise. Dies führt nicht zu einer Kürzung des Kurzarbeitergeldes.
  • Anrechnung
    Mit Ausnahme der Nebentätigkeit in systemrelevanten Bereichen (z.B. Landwirtschaft) werden Nebeneinkünfte auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.
  • Urlaub
    > Resturlaubszeiten aus dem Vorjahr sind vor Bezug des Kurzarbeitergeldes abzubauen. Sie werden in voller Höhe vom Arbeitgeber vergütet.
    > Ein vor Beantragung des Kurzarbeitergeldes beantragter, in die Zeit der Kurzarbeit fallender Urlaub muss angetreten werden.
    > Während des Urlaubs entfällt das Kurzarbeitergeld, der Mitarbeiter erhält vom Arbeitgeber die vollen Bezüge.
  • Zeitguthaben
    > Bei Gleitzeitmodellen sind vorhandene Zeitguthaben vor Bezug des Kurzarbeitergeldes abzubauen.