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Kampf um die Wählerstimmen

Die Zahlen sind eindeutig und beeindruckend: Aktuell leben 21 Millionen Rentner in Deutschland. Bei der Bundestagswahl am 24. September sind erstmals mehr als die Hälfte der Wähler über 55 Jahre alt. Daraus zieht die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ den Schluss: „Die Rente wird zu einem wichtigen Thema im Bundestagswahlkampf.“ Aus innenpolitischer Sicht wohl sogar zu einem herausragenden Streitpunkt. Was bedeutet ein Rentenwahlkampf politisch und ökonomisch?

Politisch bedeutet es, dass sich alle Parteien mit ihren unterschiedlichen Konzepten um dieses riesige Potenzial an Wählerstimmen bemühen. Ökonomisch geht es um viele Milliarden.

Die SPD setzt vor allem auf die gesetzliche Rente. Kanzlerkandidat Martin Schulz will das Rentenniveau bei 48 Prozent des Durchschnittslohns stabilisieren und den Beitragssatz zur Rentenversicherung bei 22 Prozent deckeln. Die mit einer Stabilisierung des Rentenniveaus auf dem derzeitigen Stand verbundenen Mehrausgaben will die SPD durch eine Einbeziehung von Selbstständigen, einen schnelleren Anstieg des Beitragssatzes und ab dem Jahr 2028 mit einem Steuerzuschuss von 14,5 Milliarden Euro aufbringen. Eine erneute Heraufsetzung des Renteneintrittsalters schließt Schulz aus.

Diese Pläne stoßen auf scharfe Kritik bei der Union. Man dürfe die jüngere Generation nicht fortwährend und einseitig als Lastesel missbrauchen, so der Wirtschaftsrat der CDU. Der Schlüssel zu auskömmlichen Renten für die Älteren ohne Überlastung der Jüngeren liege in der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Bindung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. „Wir müssen uns ehrlich machen. Bei immer weniger Beitragszahlern und steigender Rentenbezugsdauer müssen die Menschen auch in Zukunft über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten“ , sagt Wirtschaftsrat-Generalsekretär Wolfgang Steiger.

Union, SPD, FDP und Grüne setzen auch in Zukunft auf das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge. Die Akzente sind jedoch unterschiedlich. Am klarsten positioniert im Bereich der Privaten Krankenversicherung hat sich die FDP. Die Liberalen lehnen klar eine Bürgerversicherung ab. Diese Versicherungsform (im Übrigen von den Grünen gutgeheißen) sei eine getarnte staatliche Zwangskasse und führe zu einer drastischen Verschlechterung der Versorgung. Nach Ansicht der Liberalen sollte jeder Bürger „frei und unabhängig vom Einkommen“ wählen können, ob er den Versicherungsschutz der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung möchte.

Michael Theurer, FDP-Wirtschaftsexperte im Europäischen Parlament, zieht aus den Diskussionen um die gesetzliche Rente den klaren Schluss: „Auch in Zukunft führt an der privaten Altersvorsorge keine Weg vorbei.“ Auch Theurer, der für den Bundestag kandidiert, unterstützt das Drei-Säulen-Modell. Allein auf eine Säule dürfe sich aber niemand verlassen, so das FDP-Präsidiumsmitglied. Theurer: „Ich persönlich würde es begrüßen, wenn die Deutschen beim Sparen auch stärker auf Aktien setzen würden. Wie auch immer: Es gibt weiterhin einen hohen Beratungsbedarf für seriöse Anlagemöglichkeiten.“

Diese Einschätzung wird auch permanent durch Umfragen gestützt. In der Umfrage für den Ruhestandsreport des Versicherers Aegon gab nur etwas mehr als jeder zehnte Deutsche (13 Prozent) an, eine feste Vermögensstrategie zu verfolgen. 39 Prozent haben keinen Plan. Und dass, obwohl sich 78 Prozent der befragten Bundesbürger „bewusst“ oder „sehr bewusst“ sind, dass Altersvorsorge finanziell wichtig ist. In dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Situation schlummert ein riesiges Potenzial, aber auch Herausforderung für unsere Vermögensberater. Denn: Mit zunehmenden Alter erkennen die Deutschen immer mehr die Bedeutung einer privaten Absicherung. Vielen bereitet es Sorge, im Alter schwer zu erkranken oder pflegebedürftig zu werden. Leider setzt die Erkenntnis erst dann massiver ein, wenn der Ruhestand am Horizont auftaucht.
Dabei würde ein frühzeitiger Einstieg in die relevanten Vorsorgemethoden (auch über Niedrigzinsphasen hinweg) eine stabile Absicherung schaffen und Raum für Hobbys und Reisen lassen.

Wenn der Staat die unterschiedlichen Optionen in der privaten Altersvorsorge unterstützt, dann wird es richtig attraktiv. So sieht es auch der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Dr. Ralf-Joachim Götz, und glaubt weiter an die Riester-Rente. „Je nach privater Situation wird ein Großteil der Beiträge vom Staat übernommen. Das steigert die Rendite.“ In die richtige Richtung geht so der Beschluss von Union und SPD in Berlin, den staatlichen Zuschuss zur privaten Altersvorsorge mit einem Riester-Vertrag auf 175 Euro anzuheben. Für rund 10,9 Millionen Beschäftigte mit einem Riester-Vertrag steigt die jährliche Grundzulage damit um 21 Euro.

Trotz Kritik an der Riester-Rente in der jüngeren Vergangenheit: Bis auf die Linkspartei, die eine garantierte Rundumversorgung fürs Alter verlangt, finden sie alle anderen Parteien unverzichtbar. Auch die noch vor kurzem skeptische CSU hat wieder eine Kehrtwendung hingelegt. Allein eine beitragsfinanzierte Rente reiche nicht aus zur Sicherung des Lebensstandards.
 

 
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